Die Schweizer Vollgeldinitiative

Eine neue Finanz-Revolution?

In der Schweiz soll das Finanzsystem durch Vollgeld sichergestellt werden. Dabei handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um ein neues Geldsystem, bei dem nur noch die Notenbank für die Geldschöpfung verantwortlich ist. Sicherlich haben Zentralbanken wie die Schweizerische Nationalbank das Recht Münzen und Banknoten auszugeben, allerdings befinden sich viel mehr Franken auf Konten, als im Umlauf. In Europa beispielsweise sind rund 6,7 Billionen Euro auf Konten verbucht, es handelt sich dabei also um sogenanntes Buchgeld, während nur 1,1 Billionen als Bargeld ausgegeben sind. Diese Gelder sollen durch das neue Finanzsystem zu Vollgelder umgewandelt werden und vor Finanzkrisen schützen, da es angeblich sicherer sein soll, als das bestehende System. Am 10. Juni wird die Volksabstimmung in der Schweiz über das neue Geldsystem entscheiden.

Schweizer Vollgeldinitiative

Schweizer Vollgeldinitiative

Bei der Vollgeldinitiative wird nicht das Bargeld verändert, sondern das Geld auf den Konten, dem Buchgeld. Wenn Banken ihren Kunden Kredite gewähren, dann wird zwar das beantragte Geld auf das Girokonto überwiesen, aber von den Geldhäusern nicht vollständig finanziert. Sie hinterlegen hierzu lediglich eine Mindestreserve bei der Zentralbank, die in der Schweiz 2,5 Prozent vom Kredit beträgt. Es kann deshalb schnell zu einer neuen Krise kommen, wenn die Kunden kein Vertrauen mehr in ihre Bank haben und sich alle Einlagen auszahlen lassen wollen und die Banken hierzu nicht in der Lage sind.

Wie sinnvoll ist die Vollgeldinitiative?

Inwiefern diese neue Initiative sinnvoll ist oder nicht, wird sich nach der Abstimmung herausstellen. Fest steht auf jeden Fall, dass nach der letzten Finanzkrise nicht nur in der Schweiz die Überwachungen vom Finanzmarkt strenger geworden sind. Wird dem Vollgeld zugestimmt, dann können die Banken nicht mehr durch eine einfache Bilanzausweitung Kredite verleihen, sondern sie müssen es dann über die Schweizer Nationalbank beantragen. Die Kunden der Banken können dann Vollgeld Konten in Anspruch nehmen, die dann auch wirklich durch Gelder der Notenbanken gedeckt sind. Allerdings können dadurch Kredite in Zukunft noch teurer und komplizierter werden, sowie sich auch die Gewinne der Banken deutlich reduzieren. Indem die Notenbank die Steuerung vom Geld übernimmt, werden Zinsen entweder teurer oder billiger. Auch können mehr Wertpapiere am Finanzmarkt erworben werden, wodurch wieder mehr Geld zirkulieren wird. Dies ist natürlich nicht nur für Neukunden interessant, sondern im Prinzip für jeden, da man davon ausgehen kann, dass der Staat mit Geld viel besser umgehen kann, als z.B. private Institute.

Wie stehen die Schweizer zu dieser Abstimmung?

Da bis jetzt noch kein anderes Land das Vollgeldsystem einsetzt, haben die Befürworter einen schweren Stand. Obwohl schon lange über ein neues und sicheres Geldsystem nachgedacht wird, ist die Vollgeldinitiative noch nicht gründlich ausgereift, da sie auch Nachteile mit sich bringt. Für das Experiment müssten Banken ihren Kunden höhere Gebühren verrechnen, die teilweise kostenlos sind, Finanzblasen lassen sich dadurch ebenfalls nicht verhindern und die Notenbank könnte zu einem Spielball politischer Interessen werden. Die Schweizerische Bankiervereinigung bezeichnet die Vollgeldinitiative als unverantwortliches Experiment und lehnt sie ganz entschieden ab, da sie laut einer Studie vom Juni 2017 negative Folgen für die Volkswirtschaft hat. Aber auch die Schweizer Nationalbank ist gegen das geplante Vollgeldsystem, da es große Risiken mit sich bringt und das Finanzsystem mittlerweile viel sicherer geworden ist. Bis jetzt ist eine Ablehnung bei der Volksabstimmung zu erwarten, da laut aktuellen Meinungsumfragen 49 Prozent dagegen sind. Falls sich die Mehrheit der Bürger trotzdem am Sonntag zu einem „Ja“ entscheidet, ist damit zu rechnen, dass die Vollgeldinitiative nicht über Nacht in die Praxis umgesetzt wird und eine Periode von 2 Jahren für die Umsetzung vorgesehen ist. Auch haben sich auf Bundesebene alle Parteien gegen das Vollgeldsystem entschieden, es wird also auch bei einer positiven Abstimmung sicherlich nicht eins zu eins zum Einsatz kommen.

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